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Ein Spaziergang zu Seligenstädter Kunstwerken

Ein wesentliches Ziel des Kunstforums Seligenstadt war und ist die Mitgestaltung des öffentlichen Raumes in seiner Heimatstadt. So lud der Verein am 27. Juni 2021 seine Mitglieder zu einem Stadtspaziergang ein, um die in den vergangenen Jahren vom Kunstforum mit Hilfe von Sponsoren erworbenen Skulpturen (wieder) zu entdecken. Doch damit nicht genug – auch viele der im Rahmen der Aktion „StadtverWALDung“ gepflanzten 37 Bäume waren am Wegesrand zu bewundern, zumal manche schon eine recht beachtliche Größe erreicht haben. Thematisch sind die Kunstwerke zwischen ernst und heiter angesiedelt. Ein großes Vergnügen machten seinerzeit z.B. die zahlreichen blauen Kunststoffzwerge mit dem „Stinkefinger“ von Prof. Hörl, die im Klostergelände aufgestellt waren und nach dem augenzwinkernden Wunsch des Künstlers ziemlich rasch ihren Besitzer wechselten. Einen der letzten blauen Kunststoffzwerge hält hier Ruth Wahl von der Galerie Kunstforum in der Hand. Für helle Aufregung im Städtchen sorgte dagegen das große Kruzifix „Christus aller Opfer“ vor der Kirche St. Marien. Geschaffen hat es der berühmte polnische Künstler Maksymilian Biskupski. Gefallen fand dieses Werk indessen bei keinem Geringeren als dem Mainzer Erzbischof und Kardinal Lehmann, der es sich persönlich für eine temporäre Ausstellung in seiner Diözese erbat.
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Künstler des Monats

Andreas Wald

Aus unserer Region stammt unser aktueller „Künstler des Monats“, der Maler Andreas Wald, bereits seit 1988 Mitglied im Kunstforum Seligenstadt. 1962 in Klein-Auheim geboren, lebt und arbeitet er heute in seinem Heimatort, in Rodgau und Neu-Isenburg. Schon als Kind begann er zu zeichnen; nach dem Abitur studierte er Kunstpädagogik, schwenkte dann aber um zum Studium der Freien Grafik in Stuttgart. Er hat das Glück, seinem Freiheitsdrang folgen und frei arbeiten zu können, mit Zeichnungen, Aquarellen und gegenständlicher Malerei. Es geht ihm nicht primär ums Verkaufen. Trotzdem hat er sich ein gutes Netzwerk geschaffen und beteiligt sich gern an Ausstellungen im In- und Ausland. Zusammen mit Clemens Erlenbach und Jörg Koltermann gründete er im Jahr 2000 die Künstlergruppe „Eiserner Steg 2000“, ist Mitglied in der renommierten Frankfurter Künstlergesellschaft und im Hanauer Kulturverein.

2009 erhielt Andreas Wald den Kulturpreis des Main-Kinzig-Kreises. Vor einem Jahr hat er sich dem Berliner Verein „Künstlersonderbund“ angeschlossen, der sich dem gegenständlich-figurativen Realismus in der Malerei verschrieben hat. Der Künstlersonderbund veranstaltet für seine Mitglieder eigene Ausstellungen; im Herbst wird sich Andreas Wald in Berlin an einer Ausstellung zu Ehren Albrecht Dürers beteiligen. Wer so weit nicht reisen möchte, kann sich seine Werke vom 2. bis 31. Oktober 2021, jeweils Sa. und So. von 13:00 bis 17:00 Uhr im „Radwerk“ in Klein-Auheim anschauen. Beteiligt ist Andreas Wald u.a. auch an der Ausstellung „Sinn und Leichtsinn“ der Frankfurter Künstlergesellschaft vom 11.6. bis 11.7.2021 in der Städtischen Galerie im Kulturhof Flachsgasse in Speyer.  

„Musik ist mein Vorbild“, sagt er. So wie ein Komponist Melodien wiederholt, variiert, transponiert, so arbeitet Andreas Wald gerne seriell. Ein Thema mit vielen Variationen war z.B. die Architektur alter Gebäude bzw. Hausfassaden (Bild 1). Nach diesen „Außenräumen“ bevorzugt er nun „Innenräume“. Seine Darstellungen von Industriemotiven (Bild 2) beispielsweise erscheinen als real, entspringen aber der Fantasie des Künstlers. Auf diese Weise archiviert er Vergänglichkeit und menschliche Hinterlassenschaften. „Der Kunst als schöpferischem Akt bedient er sich, um seine Meinung zu Gesellschaft und zu historischen Abläufen mitzuteilen“, heißt es in der Laudatio zur Verleihung des Kulturpreises des Main-Kinzig-Kreises. „Mit der allgegenwärtigen Tristesse im Oeuvre von Andreas Wald soll jedoch nicht nur Gesellschaftskritik vermittelt werden, sondern auch Hoffnung. Die dargestellte Leere wirkt bedrückend, aber auf den zweiten Blick symbolisiert sie Raum für neue Ideen, für einen Neubeginn.“ Gar nicht trist hingegen sind die kleinformatigen Zeichnungen einheimischer Singvögel, die der Künstler für die Ausstellung zu Ehren Albrecht Dürers nach Berlin schicken wird.       

Eines seiner neuesten Werke ein Kreuz aus Holz, dargestellt in einer hölzernen Nische. Dort angebracht Nägel, ans Kreuz geklebt ein gefaltetes leeres Blatt Papier. Am Kreuz hängend ein rostiger Schlüssel. Aber auch ein farbenfroher Schmetterling ist im unteren Drittel des Bildes zu sehen. Die schrägen Schattenverläufe sind bewusst so dargestellt. Andreas Wald will keine Interpretation zu dem betreffenden Werk abgeben, sondern er möchte jedem Betrachter dessen Fantasie freien Lauf lassen.

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